Prof. Theodor Haslinger (1893-1967)

 

haslinger

Kapellmeister der Militärmusik beim Feldjägerbataillon 25 bzw. der 7. Gebirgsbrigade in Klagenfurt von 01.09.1956 bis 30.06.1960.

Wie viele seiner Vorgänger hatte Haslinger schon vor seiner Bestellung zum Militärkapellmeister im Bundesheer einen ausgezeichneten Ruf als Theaterfachmann. Er wurde am 10.10.1893 in Wels geboren und maturierte 1913 am dortigen humanistischen Gymnasium. Noch im selben Jahr belegte er einen Kapellmeisterkurs an der Musikschule Kaiser in Wien, den er 1915 erfolgreich abschloss.

Unmittelbar danach rückte er zum oberösterreichischen Hausregiment (Infanterie regiment Nr.14) ein, wo er 1917 zum Leutnant ernannt wurde. Während seiner Zeit an der Front entstanden mit den "Polenliedern" erste Kompositionen aus seiner Feder (rund 300 Lieder!, nach Texten von Kurt Böhme, Ernst Goll und anderen).

Nach Kriegsende arbeitete Haslinger als Dirigent an verschiedenen in- und ausländischen Bühnen wie Stadttheater Saaz, Komische Oper Essen, Stadttheater Klagenfurt , wo er auch seit 1922 als Musikpädagoge tätig war. Als Komponist war Haslinger in dieser Zeit ebenfalls aktiv. Es entstanden die Oper "Die Fremde", die Operetten "Die Prinzessin vom Libanon", "Pyramidenzauber" und "Die Wienerwaldfee". Nach der Schließung des Klagenfurter Stadttheaters 1931 infolge der wirtschaftlichen Misere stellte Haslinger aus den Theatermusikern ein Kurorchester zusammen, das besonders in den Kärntner Fremdenverkehrszentren erfolgreich auftrat.

Nachdem er 1933 in Wien die Fachprüfung für Militärkapellmeister abgelegt hatte, wurde Haslinger 1934 zum Kapellmeister des Alpenjägerregiments Nr. 11 in Klagenfurt als Vertragskapellmeister berufen.

1938 schied er aus dieser Funktion aus und nahm erneut die Dirigententätigkeit im nun wieder bespielten Klagenfurter Stadttheater auf, mit dem er auch zahlreiche Gastspiele absolvierte. Während des Krieges war er als Organisator künstlerischer Darbietungen im Rahmen der Truppenbetreuung aktiv.

Seine Erfahrung in Theaterfragen kam Haslinger auch nach 1945 zugute. So stellte er im Auftrag der britischen Besatzungsmacht aus geflüchteten Künstlern und Musikern des Stadttheaters ein über 100 Mann starkes Symphonieorchester zusammen, das bereits im Sommer 1945 einen regen Konzertbetrieb in der britischen Besatzungszone aufnahm.

Als mit der Wiederaufstellung eines Bundesheeres auch die Militärmusik aufgebaut wurde, stand Haslinger als Wunschkandidat für Kärnten fest. Er übernahm 1956 die 25 Musiker des nunmehr aufgelösten "Musikvereins der Gendarmerieschule Kärnten II" und

schloss sie in kurzer Zeit mit den neueingerückten jungen Musiksoldaten zu einem qualitativ hochstehenden Klangkörper zusammen. Der Höhepunkt in Haslingers Tätigkeit waren sicher die groß aufgezogenen Feiern zur 40-jährigen Wiederkehr der Kärntner Volksabstimmung 1960. Unter Haslingers Leitung musizierten über 500 Militärmusiker, was von ihm als sein schönstes Erlebnis bezeichnet wurde. Seine kulturellen Verdienste wurden durch die Verleihung des Professorentitels gewürdigt. 1960 trat er in den wohlverdienten Ruhestand.

Mit Theodor Haslinger verstarb am 08.03.1967 ein Mann, der das Musikleben Kärntens über Jahrzehnte hinweg in vielfältigster Weise beeinflusst und mitbestimmt und maßgeblich zum hohen Niveau und zur großen Beliebtheit der Kärntner Militärmusik beigetragen hat.

 


Die Biographie entstammen dem Buch „Die österreichische Militärmusik in der II. Republik 1955-2000“

 

   
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