Gustav Gaigg (1893-1985)

 

gaigg

Kapellmeister der Militärmusik des Gardebataillons bzw. der Musik der provisorischen Grenzschutzabteilung 1 bzw. des Heereswachbataillons von 01.01.1956 bis 30.06.1960. Gustav Gaigg, Nestor der Kapellmeister des Bundesheeres der Zweiten Republik, wurde am 23.04.1893 in Wien geboren. Er studierte nach der Pflichtschule an der damaligen
Musikhochschule in Wien und rückte mit 20 Jahren zur Militärmusik des Wiener Hausregiments, dem berühmten Infanterieregiment Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 ein, die damals unter der Leitung des bekannten Militärkapellmeisters Wilhelm Wacek stand.

Ab 1918 diente er als Musiker in der Marschmusik des Volkswehrbataillons X. Nach erfolgter Militärkapellmeister-Prüfung im Jahr 1924 wurde er zum Kapellmeister des Wiener Infanterieregiments Nr.3 ernannt. Gaiggs "Dreier" - Kapelle war in der Zwischenkriegszeit in Wien sehr beliebt und vielbeschäftigt, zum Beispiel bei den täglichen (!) Sommerkonzerten im Volksgarten. Aber auch das damalige Gardebataillon wurde normalerweise bei offiziellen Anlässen von Gaiggs Kapelle begleitet. Die späteren Militärkapellmeister Hodick und Reiter begannen hier ihre Laufbahn.

Mit dem Anschluss 1938 wurde er als Musikmeister in die Deutsche Wehrmacht übernommen und dem Infanterieregiment Nr. 131 in Nikolsburg zugeteilt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war Gaigg zunächst als Kapellmeister bei den Wiener Verkehrsbetrieben tätig und wurde mit der Leitung der Musik der "Provisorischen Grenzschutzabteilung 1" bzw. des Heereswachbataillons betraut. Gaigg wurde der erste Kapellmeister im neuen Österreichischen Bundesheer, er war damals bereits 63 Jahre alt. Unter seiner erfahrenen Leitung stieg die von Ignaz Scheurecker verdienstvoll aufgestellte Musikkapelle, sehr schnell zu künstlerischer Reife auf. Da es noch keinen Nachfolger für Gaigg gab, erhielt er einen Sondervertrag, der es ihm ermöglichte, nach dem 65. Lebensjahr ein Ehrenjahr lang weiterzudienen. So konnte er in der Folge seine musikalischen Ambitionen voll entfalten.

Gaigg hatte Studien an der Musikhochschule (6 Jahre) und an der Universität (außerordentlicher Hörer im Fach Musikwissenschaft) absolviert; trotzdem konnte er nach den damals geltenden Regelungen nicht seiner Qualifikation gemäß eingestuft werden. Dies war der Anlassfall für Verhandlungen, die schließlich zur Schaffung des Dienstzweiges "Musikoffizier" führten.

Gustav Gaigg, der in seinem Wirken eine Verbindung zur altösterreichischen Militärmusiktradition herstellte, trat am 30.06.1960 in den wohlverdienten Ruhestand und starb im Jahre 1985 in Wien.

 


Die Biographie entstammen dem Buch „Die österreichische Militärmusik in der II. Republik 1955-2000“

 

   
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