Prof. Leopold Ertl (1910-1987)

 

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Kapellmeister der Militärmusik des Militärkommandos Salzburg bzw. der Militärmusik beim Feldjägerbataillon 29 bzw. der B. Brigade von 01.09.1956 bis 31.12.1975 und Musikreferent im BMfLV vom 16.01.1972 bis 30. 06.1973 und beim Armeekommando von 01. 07.1973 bis 31.12.1975.

Leopold Ertl kam am 28.09.1910 in Wien zur Welt und verlor schon früh seine Eltern. Nach der Pflichtschule war er Zögling im Hyrtl'schen Institut in Mödling und besuchte als Schüler der Professoren Polacek (Klarinette) und Schütz (Orgel) die Musikakademie in Wien. Mit dem Erlöschen der Waisenrente bei Erreichung des 18. Lebensjahres musste Ertl das Studium unterbrechen und einen "Brotberuf" ergreifen. Nach erfolgreichem Probespiel bei Kapellmeister Anton Mader (Infanterieregiment Nr. 5) rückte er als Militärmusiker zum Salzburger Alpenjägerbataillon 3 ein. 1932 setzte er die unterbrochenen Studien am Mozarteum in Salzburg fort, u.a. bei den Professoren Bernhard Paumgartner (Kapellmeisterkurs) und Frischenschlager (Kontrapunkt). Im Dezember 1933 legte Ertl in Wien erfolgreich die Militärkapellmeisterprüfung ab. Von 40 Kandidaten hatten nur 17 bestanden. Aufgrund dieser Qualifikation wurde er 1936 mit der Leitung der Militärmusik beim Feldjägerbataillon 2 in Pinkafeld betraut. Im selben Jahr vollendete er noch seine Studien am Mozarteum.

Am 01.07.1937 wechselte Ertl zur Kapelle des Linzer Infanterieregiments Nr. 14, 1938 wurde er von der deutschen Wehrmacht übernommen und als Musikmeister zum Infanterieregiment 58 nach Herford versetzt.

Mit der Auflösung der Militärmusik 1943 wurde er als Ordonanzoffizier verwendet. Er geriet 1944 in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst nach drei Jahren entlassen wurde.

Nach seiner Heimkehr übernahm er die Leitung von Zweigstellen des Mozarteums im Pinzgau (Zell am See, Saalfelden und Mittersill). Daneben war er auch als Dirigent des Mozarteumorchesters im Sender "Rot-weiß-rot" tätig, betreute als Chormeister die Liedertafeln von Zell am See und Salzburg und war von 1951-1953 Sachbearbeiter für Musikangelegenheiten beim Kulturamt der Stadt Salzburg. 1953 wurde er Salzburger Landeskapellmeister, 1959 sogar Bundeskapellmeister des Österreichischen Blasmusikverbandes.

Im selben Jahr erfolgte seine Ernennung zum Direktorstellvertreter der Zweigstellen des Mozarteums, 1967 wurde er deren Direktor.

Mit seinem Eintritt ins Bundesheer und der Übernahme der Salzburger Militärmusik am 01.09.1956 begann eine lange Phase erfolgreicher Zusammenarbeit mit allen kulturellen Einrichtungen des Landes. Der Aufstieg der Militärmusik Salzburg zu einem Klangkörper von höchster Qualität wurde unter anderem dadurch erreicht, dass Ertl sämtliche ausbildungswilligen Militärmusiker auf Freiplätzen am Mozarteum unterbrachte. 1967 wurde Ertl in Würdigung seiner Verdienste der Professorentitel verliehen.

Als Doyen der österreichischen Militärkapellmeister übernahm er am 16.01.1972, zusätzlich zur Leitung der Salzburger Militärmusik, das nach dem Ausscheiden Dr. Hodicks vakant gewordene Musikreferat im BMfLV bzw. im Armeekommando.

Ertl war auch nach seiner Pensionierung 1975 weiter als Musikpädagoge und als Landeskapellmeister des Salzburger Blasmusikverbandes bis 1984 aktiv. Auch als Komponist war er erfolgreich, so wird etwa sein "Alt Salzburger Fackeltanz" alljährlich zur Eröffnung der Festspiele aufgeführt.

Militärkapellmeister Prof. Leopold Ertl verstarb am 30.01.1987 in Salzburg.

 


Die Biographie entstammen dem Buch „Die österreichische Militärmusik in der II. Republik 1955-2000“ 

 

   
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